Es gibt Leitlinien, an denen sich der Arzt bei der Diagnosestellung orientiert. Der richtige Ansprechpartner ist zunächst der betreuende Kinder- und Jugendarzt. Beobachtungen der Eltern, Lehrer und Erzieher bilden zusammen mit der ärztlichen Basisdiagnostik die Grundlagen für die Diagnose. An erster Stelle der ärztlichen Basisdiagnostik steht eine gründliche Erhebung der Vorgeschichte des Kindes und der Familie (Anamnese) durch Befragung und den Einsatz von Fragebögen.
Das Kind selbst wird körperlich-neurologisch untersucht. Dies betrifft beispielsweise seine Muskeleigenreflexe, Motorik, Sensibilität (unter anderem die Wahrnehmung von Berührungsreizen an der Haut), Koordination und anderes mehr. Gegebenenfalls werden auch bestimmte Laboruntersuchungen und ein EEG (Elektroenzephalogramm oder Hirnstromkurve, ähnlich dem EKG des Herzens) durchgeführt. Anhand von standardisierten psychologischen Tests werden Intelligenz, Ausdauer und Konzentrationsfähigkeit des Kindes gründlich geprüft.
Eine „Blickdiagnose“ genügt nicht zur Feststellung eines ADHS. Vielmehr kann die Diagnose nur nach einer sehr genauen, sorgfältigen und umfassenden Untersuchung gestellt werden. Hat der Kinderarzt selbst keine Zusatzausbildung oder Erfahrung mit ADHS, wird er einen kompetenten Kinderneurologen, Kinderpsychiater oder Kinderpsychotherapeuten hinzuziehen.
Dr. med. Christa Kappler,
Prof. Dr. med. Dr. h. c. Dietrich Reinhardt,
ehem. Direktor des Dr. von Haunerschen Kinderspitals, Universität München
Die Experten der "Sprechstunde Kinderkrankheiten" beantworten zahlreiche interessante Fragen rund um die Kindergesundheit.
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.
www.baby-und-familie.de;
19.11.2008, aktualisiert am 05.09.2011
Bildnachweis: Brand X Pictures/RYF